Muxia

Cee – Finisterre – Muxía 2018 – Teil 2

Die Etappen und Wegbedingungen, Herbergen und meine persönlichen Erfahrungen

Den ersten Teil meines Jakobsweges habe ich hinter mich gebracht – den Camino Inglés. Ich bin in 5 Tagen 102,7 km von Ferrol bis Santiago de Compostela gelaufen. Doch wie sollte es jetzt weitergehen? Meine Schuhe waren noch immer klatschnass, mein Knie schmerzte weiterhin und meine Motivation war auch irgendwie im Keller. Also warf ich meinen eigentlichen Plan – vier Tage weiter nach Finisterre laufen – spontan über Board. Stattdessen schuf ich mir eine neue Route: Cee – Finisterre – Muxía. So lief ich die nächsten drei Tage – 39,3 km – die schönsten Etappen meiner gesamten Reise und schlief in Unterkünften, die ich so jederzeit wieder buchen würde. Ein perfekter Abschluss meiner Reise.

7. Tag: Cee – Finisterre (11,5 km). Somit bin ich am nächsten Morgen zum Busbahnhof von Santiago gefahren und von dort aus weiter mit einem Bus für 9,15€ ca. 1 1/2 Stunden nach Cee. Als ich aus dem Bus ausstieg, war mir total übel und mein Knie zeigte auch noch keine Besserung. Dementsprechend blieb auch meine Motivation weiterhin im Keller. Aber all das half mir nun auch nichts – ich wollte weiter, ich wollte die letzten 11,5 km nach Finisterre laufen. Und dann ging ich einfach los. Es dauerte nur wenige Meter, bis meine Übelkeit wieder verschwand. Jedoch wurden meine Knieschmerzen schlimmer. Schließlich musste ich aufgrund dessen noch eine Pause einlegen und mein Knie mit Salbe versorgen. Kurz vor Finisterre. Dies erschwerte es mir auch, die wunderschöne Landschaft um mich herum zu genießen. Der Weg war wirklich traumhaft schön – es ging durch viele hübsche Wälder und über wenig Asphaltwege. Irgendwann sah man dann schon vom Weitem das Meer und das letzte Stück ging am großen Strand von Finisterre entlang. Ich bin direkt über den Sand gelaufen. Dort habe ich zwei wunderschöne Muscheln gefunden. Das hat mich sehr glücklich gemacht. Für alle Strandliebhaber sind das wohl die schönsten letzten Kilometer nach Finisterre. Außerdem war die Etappe sehr gut für mich zu bewältigen – wären meine Knieschmerzen nicht, wäre es ein wunderbar entspannter Lauf gewesen. Nachdem ich dann die Stadt erreicht habe, checkte ich mein Einzelzimmer ein, was ich aus dem Bus über booking.com für 30€ gebucht habe – „Hostal Mariquito“. Das Zimmer mit Privatbad war schlicht und sauber mit Wohlfühlcharakter. Hier würde ich wieder buchen. Unter der Unterkunft befindet sich eine Bar/Café, wo man kleine Snacks und morgens auch Frühstück bekommt. Ich verließ mein Zimmer an diesem Tag nur noch zum Einkaufen. Das Wetter war schlecht und mein Knie brauchte Erholung. Für den nächsten Tag habe ich eine Pause geplant, zu einem, wegen meines Knies und zu anderem auch, weil starke Unwetter mit Orkan angesagt wurden.

Cee
Cee
Immer auf der Suche nach den gelben Pfeilen, die einem den Weg weisen. Manchmal sind sie kaum zu übersehen und manchmal ganz unscheinbar.
Immer auf der Suche nach den gelben Pfeilen, die einem den Weg weisen. Manchmal sind sie kaum zu übersehen und manchmal ganz unscheinbar.
Diese Etappe hatte wunderschöne Natur und tolle Aussichten zu bieten
Diese Etappe hatte wunderschöne Natur und tolle Aussichten zu bieten
Die letzten Kilometer auf dem Weg nach Finisterre führen am großen Strand entlang
Die letzten Kilometer auf dem Weg nach Finisterre führen am großen Strand entlang

 

8. Tag: Finisterre – Lires (14,1 km). Nach dem Frühstück habe ich mich entschlossen, doch weiter zu laufen. Das Wetter war zwar regnerisch, aber nach Orkanen sah es nicht aus. Und bei diesem Wetter wollte ich nicht einen ganzen Tag hier festsitzen. Außerdem ging es meinem Knie wieder besser. Ich habe es dann mit Verband und Salbe versorgt und bin vorsichtig los. (Es war übrigens Wochenende, sodass keine Apotheken aufhatten – bzw. samstags nur vormittags.). Nach den ersten Kilometern kam dann schon wieder die Sonne hervor und es wurde noch ein ganz herrlicher Tag. Die Natur, die Wälder, die Aussichten, das Meer in der Ferne. Es war die schönste Etappe auf meiner ganzen Reise. Genächtigt habe ich in der Unterkunft „As Eiras“. Ich habe sie wieder zuvor im Internet gebucht – 12€ für ein Bett im Vierbettzimmer mit Gemeinschaftsbad. Um die Unterkunft herum war nichts außer ganz viel Natur und man kann von hier sogar das Meer sehen. Umgeben von ganz viel Ruhe und Entspannung. Die Unterkunft war sauber und gut ausgestattet. Direkt nebenan ist ein Restaurant, welches auch Pilgermenüs und Frühstück anbietet. Ich habe mich hier rundum wohlgefühlt. Den Nachmittag habe ich in den letzten Sonnenstrahlen verbracht. Ich saß lange draußen – alleine, aber das war nicht schlimm. Ich konnte an diesem schönen Ort das allein Sein total genießen. Hier verspürte ich absolut keine Einsamkeit, stattdessen einfache Zufriedenheit. Später setzte sich noch ein älterer Italiener zu mir. Wir unterhielten uns ein bisschen auf Englisch, was nach dem ganzen Spanisch eine ganz schöne Umstellung war ; -). Es war echt lustig mit ihm.

Gleich zu Beginn dieser schönen Etappe, traf ich auf einen Esel

9. Tag: Lires – Muxía (13,7 km). Ich bin bei Regen in die letzte Etappe gestartet und bei Sonnenschein in Muxía angekommen. Der Weg war landschaftlich wieder sehr, sehr schön! Ich habe tolle Fotos von dem verregneten Wald gemacht und dabei realisiert, dass man Regen nicht immer so negativ betrachten sollte. Die glitzernden Tropfen auf den Blättern und der mystische Nebel zwischen den Bäumen in der Ferne haben die Natur um mich herum auf ganz andere und sehr bezaubernde Weise wirken lassen. Passenderweise habe ich beim Frühstück noch einen Spruch gelesen, den ich dann verstanden habe: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.“ Das letzte Stück führte am Meer entlang und bis dahin war die Sonne auch wieder zurück. Leider auch meine Knieschmerzen, die nun wieder schlimmer wurden. Als ich schließlich in meiner letzten Unterkunft ankam, war ich unglaublich froh, stolz und glücklich. Ich habe mich in der Pension „La Cruz“ in ein Einzelzimmer mit eigenem Bad und Meerblick eingebucht – ja, mit Meerblick! Es war so schön dort. Ich kann die Pension nur wärmstens empfehlen. Der perfekte Abschluss, um in Muxía anzukommen, die Reise ausklingen zu lassen und ein klein wenig mehr Luxus zu genießen. Allerdings auch für 40€/Nacht.

Muxía ist ein wunderschönes Städtchen am Meer. Hier trifft man auf Ruhe und Entspannung und viel mehr brauchte ich hier auch nicht. Ich habe meine Reise an diesem bezaubernden Ort ausklingen lassen und der perfekte Abschluss war der Sonnenuntergang am Steinriff bei der Kirche „Virxe da Barca“. Ich habe bei diesem wunderschönen Anblick noch einmal meine Reise gedanklich passieren lassen. Ich hätte vor ein paar Tagen in Ferrol wohl niemals gedacht, dass ich am Ende in Muxía sitze. Ich habe einen Jakobsweg mit Höhen und Tiefen hinter mir. Ich bin froh, alles genau so erlebt haben zu dürfen und nun einige gute Erfahrungen reicher zu sein. Ich weiß jetzt, dass ich alleine sein kann, und konnte es am Ende auch noch in vollen Zügen genießen.

Am 0 - Punkt in Muxia
Am 0 – Punkt in Muxía
Mit meiner lieben Pilgerbekanntschaft aus Lires habe ich noch etwas Muxia erkundigt
Mit meiner lieben Pilgerbekanntschaft aus Lires habe ich noch etwas Muxía erkundigt
Kirche "Virxe da Barca" am Steinriff von Muxia
Kirche „Virxe da Barca“ am Steinriff von Muxía
Der Sonnenuntergang in Muxia
Der Sonnenuntergang in Muxía

Ich hoffe, dass euch meine persönlichen Erfahrungen ein Stück weiterbringen können. Seit ihr bereits einen Jakobsweg gelaufen oder steckt ihr vielleicht gerade in den Planungen? Welche persönlichen Erkenntnisse habt ihr für euch mitgenommen?

Liebe Grüße, Ines

 

 

 

 

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6 thoughts to “Cee – Finisterre – Muxía 2018 – Teil 2”

  1. Wie jedes Mal sehr schön geschrieben, liebe Ines! Nun weißt auch du: alles negative hat auch was positives 🤷🏼‍♀️

  2. Hallo Ines,
    vielen Dank für deinen tollen Bericht, da bekommt man direkt Lust selber los zu gehen;) Ich möchte dieses Jahr gerne meinen ersten Camino machen bin aber noch etwas unschlüssig ob lieber den Camino Portugues oder Ingles, auch weil ich nur 10-12 Tage Zeit habe. Welcher hat dir den besser gefallen bzw. würdest eher als Einsteiger empfehlen?
    Liebe Grüße Nine

    1. Hallo Nine,
      lieben Dank dir!
      Ich kann gar nicht so genau sagen, welcher Weg mir besser gefallen hat, weil beide Wege für mich persönlich so unterschiedlich waren. Schon allein durch die verschiedenen Jahreszeiten und damit auch den Wetterbedingungen. Wann genau möchtest du deinen Camino laufen? Ich glaube landschaftlich fand ich den Camino Portugues ein kleines bisschen schöner. Aber beide Wege sind schon auch sehr straßenlastig. Ich bin beide Wege gelaufen ohne vorher zu trainieren und habe das beide Male auch gut geschafft. Der Camino Portugues ist natürlich ein bisschen länger, was ich persönlich, auch für den ersten Camino, nicht schlecht fand. Es ist echt toll unterwegs zu sein und desto länger, desto besser. Ich habe für diesen Weg 11 Tage gebraucht (ohne An- und Abreise). Hingegen gingen die 5 Tage auf dem Camino Inglés viel zu schnell vorbei. Hast du 12 Tage Zeit mit An- und Abreise oder nur für das Laufen? Wenn du dich für den Camino Inglés entscheidest könntest du noch weiter nach Finisterre und vielleicht sogar nach Muxía laufen. Die Strecken sind landschaftlich wirklich sehr schön!!
      Ich hoffe ich konnte dir weiter helfen. Wenn du noch mehr Fragen hast, kannst du mich gerne jederzeit fragen. LG Ines

  3. Hallo Ines,
    Dein Bericht ist sehr interessant zu lesen.
    mein Mann und ich sind ab 8.4.19 den Camino Portugues gegangen. Es war unsere erste Camino. Obwohl es schon an machen Tagen sehr anstrengend war, möchte ich die Zeit nicht missen. Es war eine wunderbare Erfahrung. Nächstes Jahr starten wir in Santiago und gehen nach Finisterre und Muxia .
    Bin mir nur noch nicht sicher ob zuerst nach Muxia und dann nach Finisterre, oder umgekehrt. Mal sehen.
    Freu mich schon sehr darauf.
    L. G. Ingrid

    1. Hallo Ingrid,

      danke. Ich kann sehr empfehlen Muxia am Ende zu machen. Mir persönlich gefällt es dort ein kleines bisschen besser als in Finisterre. Ich kam dort sehr schön zur Ruhe und der Sonnenuntergang war traumhaft – ein perfekter Abschluss!

      Liebe Grüße und Buen Camino, Ines

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